Unterstützung für pflegende Angehörige – Wo bekomme ich Hilfe?

 

Was ist heute für ein Tag? Selbst diese scheinbar einfache Frage, kann ein Menschen mit Demenz bzw. demenziellen Syndrom nicht ohne weiteres beantworten. Diese und weitere Herausforderungen in der Pflege von Demenz Patienten möchten wir beleuchten.

Die häufigste Form von Demenz ist Alzheimer, aber nicht die Einzige: es gibt mehr als 50 Demenzarten. Weltweit sind aktuell mehr als 47 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Experten zufolgen wird sich die Zahl bis 2050 verdreifacht haben. Die gute Nachricht: Demenz ist behandelbar, doch sollte die Therapie so früh wie möglich beginnen, um den Krankheitsverlauf erfolgreich zu verzögern. Wir haben uns deshalb einmal genauer mit den Thema beschäftigt.

 

Was bedeutet Demenz?
Grundsätzlich kann man sagen das Menschen, die an Demenz erkrankt sind, mit fortschreitender Krankheit immer mehr ihre kognitiven Fähigkeiten verlieren, wie Wahrnehmung, Denken, Rechnen, sich orientieren oder auch die Fähigkeit der Reflektion des eigenen Verhaltens. Es ist ein schleichender Prozess, den Betroffene, zu Beginn der Krankheit, häufig versuchen zu vertuschen und Angehörige dadurch erst einmal die vermeintliche Vergesslichkeit oder Veränderung ihres Angehörigen unter “normalen” Alterserscheinungen verbuchen. Dabei ist es gut früh mit der Behandlung zu beginnen, um schwerwiegende Symptome der Krankheit möglichst lange hinaus zu zögern.


Im Verlauf der Krankheit „löst sich die Persönlichkeit betroffener Personen immer mehr auf“. Was selbst von professionellem Pflegepersonal als sehr herausfordernd und belastend beschrieben wird. Wer jetzt glaubt, dass es nur sehr alte Menschen betrifft, liegt leider falsch. Zwar lässt sich sagen, dass zwei Drittel der Menschen mit Demenz über 80 Jahre alt sind und davon 65 Prozent Frauen, aber leider gibt es auch Ausnahmen. Eine Demenz in jungen Jahren ist zwar selten, aber keineswegs unmöglich. Vor allem eine frontotemporale Demenz (FTD), bei der Gehirnzellen im Frontalhirn oder im Schläfenlappen (Temporalhirn) absterben, kann auch jüngere Menschen treffen. Um genau zu sein 3 bis 9 Prozent aller Demenzfälle. Leider ist der Verlauf meist sehr schwer, weil diese Form der Demenz zu Persönlichkeits-, Verhaltens- und Sprachauffälligkeiten führt. Tatsächlich treten frontotemporale Demenzen häufig zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf, sie können aber auch schon mit 20 oder 30 Jahren beginnen.
Man unterscheidet zwischen primärer (hirnorganischer/kortikaler) und sekundärer (nicht-hirnorganischer) Demenz. 90 % aller Demenzerkrankung­en sind primär. Bei dieser Form sterben Nerven­zellen im Gehirn ab, ihre Verbin­dungen gehen verloren („neuro­degenera­tiv“). Eine Heilung ist derzeit nicht möglich, aber durch Therapien lässt sich der Krankheits­verlauf verzögern. In 10 % der Fällen handelt es sich um die sekundäre Form. Sie tritt häufig als Folge einer anderen Erkrankung wie zum Beispiel einer Depression auf. Bei frühzeitiger Behandlung ist eine Heilung möglich. Lässt sich die Grund­erkrankung heilen, kann sich das Gehirn erholen – die demenzielle Erkrankung und ihre Symptome bilden sich zurück.

 

Erfahren Sie hier noch mehr zu den unterschiedlichen Demenzformen und Symptomen.

 

Eine Diagnose wird sehr behutsam und bedacht auf Basis der unterschiedlichen Untersuchungen gestellt. Zudem müssen die Symptome mindestens sechs Monate bestehen. Dazu gehören: 

 

  • Gedächtnisstörungen (neue Informationen werden nicht mehr gespeichert, Erinnerungen gehen allmählich verloren)
  • Beeinträchtigung des Denkvermögens (z. B. fällt es immer schwerer, Entscheidungen zu treffen)
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Das Demenzrisiko kann, laut der Wissenschaftler der Columbia-Universität in New York, um bis zu 60% vermindert werden. Ein wichtiger Baustein dafür sind Sport und eine ausgewogene Ernährung.

 

Worauf müssen Angehörige in der Pflege und im Umgang achten?
Die Pflege eines an Demenz erkrankten Menschen ist schon für Fachpersonal alles andere als einfach. 
Für Angehörige, die auch emotional involviert sind, ist es mehr als kräftezehrend. Zu Beginn der Erkrankung ist es für die Betroffenen noch möglich in den eigenen vier Wänden zu leben. Doch schon hier sehen sich Angehörige großen Herausforderungen gegenüberstehen. Sie müssen die Umgebung absichern und das Gefahrenpotential für ihren Angehörigen und auch für sich selbst minimieren. Häufig sind Betroffene nachts sehr unruhig und laufen umher. Hier gibt es technische Möglichkeiten der Absicherung, über die wir im Artikel: Technische Gadgets für Senioren bereits berichtet haben. 
Aber es gibt auch andere innovative Produkte, die den betroffenen das Leben erleichtern. Zum Beispiel verlieren Menschen mit Demenz nach und nach das Durstgefühl. Der Designer Lewis Hornby beobachtete das bei seiner eigenen Großmutter und fand eine Lösung. Ein Geleepulver, das das 9-fache seiner Masse an Wasser aufnehmen kann. Beigemischte bunte Farben erregen Aufmerksamkeit und ein ansprechendes Design lädt zum Verzehr ein. Diese „Jelly-Drops„, wie Lewis seine Wasserpralinen nennt, können effektiv einer Dehydrierung entgegensteuern. Ein ausgezeichnete Idee, die unter anderem auch den “Desire Award for Social Impact” der Dyson School of Design Engineering, erhielt. Leider ist dieses großartige Produkt vorerst nur in England erhältlich.
Schreitet die Erkrankung fort, ist es ratsam nach einer passenden Pflegeeinrichtung zu suchen. Hier gibt es einige Optionen wie der Mobile Dienst oder die Tagesbetreuungseinrichtung, diese sollten individuell ausgewählt werden. Jetzt ist es wichtig, dass auch Sie sich als Angehöriger Hilfe suchen, annehmen und sich auch rechtlich beraten lassen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz ist hier eine gute Anlaufstelle. 

 

Wichtige Aspekte bei der Pflege Demenzkranker:

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  • Akzeptieren Sie die pflegebedürftige Person, wie sie ist. 
  • Dementiell Erkrankte erleben oft „emotionale Achterbahnfahrten“. 
  • Emotionale Reaktionen erfolgen meist nicht mit Absicht.
  • Verzichten Sie auf Vorwürfe. 
  • Selbstaggression und Wut sind oft Teil der Krankheit. 
  • Lernen Sie Gelassenheit und deeskalieren Sie. 
  • In späteren Stadien können Erkrankte ihr Verhalten nicht mehr selbst bewerten. 
  • Demenzkranke erleben oft eine andere Realität. 
  • Lernen Sie, immer wieder Unaufgeregtheit und Entspannung in die Situation zu bringen.
  • Im späten Verlauf sind die Betroffenen orientierungs- und erinnerungslos. 
  • Denken Sie bei dieser herausfordernden Pflege auch an sich selbst.
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Zudem können Sie mit unserem Senioren Tablet das Gedächtnis Demenzkranker Menschen trainieren. Es wurde von einem Team aus persönlich betroffenen Angehörigen demenziell erkrankter Senioren in Unterstützung von Experten aus Wissenschaft und Pflege entwickelt. 700 spannende und gedächtnisfördernde Spiele, Videos, Musik und altersgerechte Übungen aktivieren Körper und Geist.

 

Trotz aller Förderungen ist Demenz aber leider eine unheilbare, fortschreitende Krankheit. Dies ist sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen eine Zerreißprobe. In unserem nächsten Artikel sagen wir Ihnen welche Unterstützung pflegende Angehörige zusteht und welche empfehlenswerte Ansprechpartner es gibt.