Der Umgang mit dementen Menschen

„Wer bist du?“ Wenn die eigene Mama die Kinder nicht mehr erkennt oder der Papa seine Ehefrau für eine fremde Person hält, dann steht das Leben erstmal Kopf. Gegenwärtig leben rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland mit Demenz, Tendenz steigend. Zusätzlich gibt es Angehörige, Bekannte und Freunde von Personen mit Demenz, die damit umzugehen lernen müssen.

 

Was sind die ersten Anzeichen von Demenz?

Das Wort „Demenz“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt „weg vom Geist“ oder „ohne Geist“. Demenz bezeichnet die Verschlechterung oder den Verlust geistiger Fähigkeiten. Es gibt verschiedene Formen der Demenz, die häufigsten der „irreversiblen Demenzen“ sind Alzheimer und vaskuläre Demenz. Ein kleiner Anteil der Demenzerkrankungen, sogenannte „reversible Demenzen“, können bei frühzeitiger Erkennung behandelt und mit hoher Wahrscheinlichkeit gebessert werden. Oft geht es aber eher um die frühe Auseinandersetzung mit der Krankheit – Für den Betroffenen und seine Familienmitglieder.
Einige frühe Warnzeichen für Demenz können folgende sein: 

 

  • Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitgedächtnis 
  • Sprachstörungen 
  • Sinkendes Interesse an bisherigen Freizeitbeschäftigungen sowie Arbeit, Familie und Freunden 
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Misstrauen und Angstzustände 
  • Fehleinschätzung von Gefahren 
  • Schwierigkeiten, gewohnte Tätigkeiten auszuführen 
  • Fehleinschätzung von Gefahren 
  • Schwierigkeiten, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden

 

Der richtige Umgang mit Demenz – Tipps für den Alltag, Familie & Pflege

Besonders bei Demenz ist der Erhalt der geistigen Gesundheit von großer Bedeutung. Es gilt, das bestehende so gut wie möglich zu erhalten und dem rapiden Abbau von mentalen Fähigkeiten entgegenzuwirken. Eine Möglichkeit, dies spielerisch zu bewältigen, ist mit Gehirnjogging.  Wichtig ist, den demenziell erkrankten Angehörigen damit nicht zu überfordern. “Weniger ist Mehr” ein Satz, der auch hier besondere Gültigkeit hat. Meist reicht schon eine spielerische Anregungen durch Gespräche, Förderung der Erinnerung, durch Fotos und so weiter. Der Bundesverband Gedächtnistraining e.V. hat hierzu ein empfehlenswertes Arbeitsbuch entwickelt. Es enthält Trainingseinheiten zu 20 Themen – wie zum Beispiel Einkaufen, alte Kinderspiele, Kochen einer Gemüsesuppe, Arbeiten auf dem Lande und Reisen. 

Aber auch unser Senioren Tablet bietet zahlreiche Spiele und Übungen, die bedürfnisangepasst die mentale Fitness trainiert und den Senior täglich fordern kann.

Aber besonders der Einklang von mentaler und körperlicher Gesundheit ist für ein langes Leben unerlässlich. Mobilität im Alter muss keine unüberwindbare Hürde sein; es geht mehr um das Etablieren von kleinen, täglichen Gewohnheiten. So kann die Mischung aus Gehen und leichten Übungen ein guter Anfang sein. Forscher der University of British Columbia haben herausgefunden, dass Spazierengehen an der frischen Luft das Gehirn fit hält. Auf Mal-Alt-Werden finden sich zudem zahlreiche Übungen, entweder mit oder ohne Hilfsmitteln wie z.B. Bällen. Vor allem für Menschen mit Demenz sind diese Übungen gut geeignet, denn sie sind einfach zu vollführen und überfordern nicht so schnell wie komplexe Bewegungsabläufe.

 

Tipps für die Familie

Demente Menschen können ihr Verhalten gegebenenfalls nicht mehr so genau steuern und beeinflussen wie früher. Deshalb ist es notwendig, dass sich die Umgebung der dementen Person anpasst und auf deren Bedürfnisse eingeht. Der Umgang mit dementen Angehörigen erfordert Geduld und Einfühlungsvermögen.
Die
Deutsche Alzheimer Gesellschaft gibt folgende Tipps zur besseren Verständigung mit Menschen mit Demenz:

 

Gespräche auf gleicher Augenhöhe führen.

Freundlich und zugewandt sein.

Einfache und kurze Sätze verwenden.

Langsam und deutlich sprechen.

Mimik und Gestik einsetzen.

Zeit zum antworten geben.

Körpersprache beachten.

Gefühle wahrnehmen.

Aufmerksam zuhören.

Nur eine Sache auf einmal fragen bzw. sagen.

Keine W-Fragen stellen.

„Fehler“ ignorieren.

Erfolge anerkennen.

  1.  

Für Betroffene und Angehörige hilft es, Klarheit zu schaffen und sich mit den Folgen der Diagnose auseinanderzusetzen. Das gibt Dementen die Möglichkeit, sich aktiv mit der Krankheit zu beschäftigen und gemeinsam mit Ärzten und Familie das weitere Vorgehen zu besprechen.

Hat ein Familienmitglied oder jemand aus dem Freundeskreis Demenz, dann sollte mit der Person und nicht nur über die Person gesprochen werden. Gemeinsam die Zukunft zu planen und sich beraten zu lassen hilft besser mit der Diagnose umgehen zu können. Vielleicht ist es sinnvoll, sich von verschiedenen Experten beraten zu lassen oder auch mit anderen Betroffenen den Austausch zu suchen. Sich gegeneinander unterstützen und Mut machen, ehrlich über Bedenken und Sorgen reden und die Inklusion der dementen Person ernst nehmen, stellen bedeutende Schritte dar.

 

Umgang mit Wahnvorstellungen bei Demenz

Bei Wahnvorstellungen beschuldigen Demenzerkrankte beispielsweise das Umfeld, sie zu bestehlen, oder sie sind überzeugt verfolgt zu werden. Das kann für die Beschuldigten sehr schwierig sein.    

Menschen mit Demenz verstehen oft Zusammenhänge aufgrund des geistigen Abbaus nicht mehr. Deshalb versuchen sie, das Erlebte in einen für sie logischen Zusammenhang zu stellen. Widersprechen Sie der oder dem Demenzerkrankten daher nicht und versuchen Sie nicht, die Person davon zu überzeugen, dass alles Einbildung ist.  

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Wahnvorstellungen Ihres Angehörigen, denn es kann als Laie schwierig sein, zwischen genereller Verwirrtheit und Sinnestäuschungen zu unterscheiden.

 

Umgang mit Aggressivität bei Demenz

Die erschwerten Lebensbedingungen, unter denen demenziell erkrankte Personen zu leiden haben, können zu erhöhter Aggressivität führen. Weil sich die Welt für Demenzerkrankte ständig wandelt, können bereits kleine Veränderungen eine spontane Gefühlsänderung auslösen, wie z.B. ein lautes Geräusch oder eine überfordernde Situation. Falls Ihr Angehöriger aggressiv reagieren sollte, empfiehlt es sich, gelassen zu bleiben und ggf. zu versuchen, den Senior zu beruhigen. Ablenkung kann ebenso von Vorteil sein, versuchen Sie auch, auf Ihre eigene Sicherheit zu achten und sich einen Fluchtweg offenzuhalten und zu lernen, wie man sich sanft aus einem festen Griff befreit. Informieren Sie im Anschluss Ihren Arzt.

 

Tipps für die Pflege von Demenzkranken

Oft fühlen sich Angehörige mit der enormen Pflegeverantwortung überfordert. Für das eigene Wohlbefinden sowie das des Angehörigen ist es, die pflegebedürftige Person so zu akzeptieren, wie sie ist.

  • Dementiell Erkrankte erleben oft „emotionale Achterbahnfahrten“. 
  • Emotionale Reaktionen erfolgen meist nicht mit Absicht.
  • Verzichten Sie auf Vorwürfe. 
  • Selbstaggression und Wut sind oft Teil der Krankheit. 
  • Lernen Sie Gelassenheit und deeskalieren Sie. 
  • In späteren Stadien können Erkrankte ihr Verhalten nicht mehr selbst bewerten. 
  • Demenzkranke erleben oft eine andere Realität. 
  • Lernen Sie, immer wieder Unaufgeregtheit und Entspannung in die Situation zu bringen.
  • Im späten Verlauf sind die Betroffenen orientierungs- und erinnerungslos. 
  • Denken Sie bei dieser herausfordernden Pflege auch an sich selbst.

Wenn Ihr Angehöriger pflegebedürftig wird, sprechen Sie zunächst mit Ihrer Pflegekasse. Im gemeinsamen Dialog kann nachvollzogen werden, welcher Pflegegrad vorherrscht und welche Leistungen von der Pflegekasse übernommen werden können. Wichtig zu beachten ist, dass erst ab Pflegestufe 2 überhaupt Leistungen übernommen werden. Der Pflegeleisteistungs-Helfer kann hierbei nützlich sein. 

 

Umgang mit Inkontinenz

Inkontinenz kann unter Berücksichtigung von Demenz zu einem großen Problem werden. Nach fünf Erkrankungsjahren ist jeder zweite Demenzkranke von einer Inkontinenz betroffen, nach acht Jahren sind es bereits vier von fünf. Es kann hilfreich sein, den Angehörigen in regelmäßigen Abständen an den Toilettengang zu erinnern. Auch sollte der Weg zur Toilette leicht zu finden sein, ebenso in der Nacht. Eine Etablierung von festen Toilettenzeiten kann auch dabei helfen, dem Demenzpatienten eine gewisse Stabilität zu gewährleisten.

 

Das Leben mit Demenz – wie gestaltet man es sich so gut wie möglich?

Zusammenfassend kann man sagen, dass ein erfüllter Lebensalltag eines Demenzkranken die Unterstützung eines Angehörigen bedarf. Die Förderung von mentaler und körperlicher Fitness sowie die Erleichterung von früher selbstverständlichen Dingen verlangsamen den Verlauf von Demenz. Da die meisten Verläufe von Demenz aber irreversibel sind, ist der richtige Umgang mit der Krankheit unerlässlich. Klicken Sie hier für Hilfestellungen für den richtigen Umgang mit Demenz.