Ältere Menschen und Digitalisierung

 

Ältere Menschen haben es oft schwer, sich in der technisierten digitalen Welt zurechtzufinden. Statt Teilhabe für alle schaffen die neuen digitalen Möglichkeiten oft Barrieren, die nicht alle ohne Hilfe überwinden können. Mit diesem Problemfeld hat sich nun auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beschäftigt.  

Das BMFSFJ unter Führung der SPD-Politikerin Franziska Giffey veröffentlicht in regelmäßige Abständen Berichte, die die jeweiligen Kommissionen erarbeitet haben. Die Achte Altersberichtskommission hat sich in ihrem neuesten Report “Ältere Menschen und Digitalisierung” nun mit folgenden Fragen auseinandergesetzt: “Welche Möglichkeiten bieten digitale Technologien? Wie verändert sich das Leben im Alter durch die Verbreitung digitaler Technologien? Wo sind Grenzen wichtig, etwa um Diskriminierungen zu verhindern oder zum Schutz der Menschenwürde?” 

 

Skepsis gegenüber der digitalen Welt

Das Thema Digitalisierung wird von vielen und besonders  älteren Menschen eher mit Skepsis betrachtet. Laut einer Umfrage des Zentrums für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (Zirius) hatten im Jahr 2019  noch 46 Prozent ihre Zweifel und sahen der Digitalisierung eher skeptisch entgegen. 

Wichtig festzuhalten ist dabei aber, dass es nicht die Technik selbst ist, die uns vor Probleme stellt. Vielmehr ist es der Umgang mit dieser Technik und die Aufgabe, für Teilhabe für alle zu sorgen, die bisher nicht zur Zufriedenheit erfüllt werden konnte. Zu diesem Ergebnis kam auch der Achte Altersbericht des BMFSFJ. 

 

Der Altersbericht befasst sich mit folgenden Lebensbereichen: 

 

  • Sicheres und selbstbestimmtes Wohnen
  • Mobilität erhalten
  • Soziale Interaktion
  • Neue Wege in der Gesundheitsversorgung
  • Unterstützende Pflege
  • Vernetzter Sozialraum
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Doch wie wichtig ist die Teilhabe an der Digitalisierung für ältere Menschen eigentlich und sind die Vorteile, die die Digitalisierung in all diesen Lebensbereichen bieten kann?

 

Wie wichtig ist digitale Teilhabe bei älteren Menschen?

Besonders die Corona-Pandemie hat viele Seniorinnen und Senioren zum ersten Mal mit der Notwendigkeit der Digitalisierung konfrontiert. Plötzlich waren keine Besuche mehr möglich, statt dem gemeinsamen Spaziergang stand nun ein Videotelefonat auf dem Programm. Das brachte aber ganz praktische Probleme mit sich. In vielen Pflegeheimen gibt es noch kein flächendeckendes WLAN-Netz, und bei den Senioren zu Hause musste erst einmal herausgefunden werden, wie das mit der Videotelefonie überhaupt funktioniert, wenn überhaupt geeignete technische Geräte vorhanden waren. 

Diese praktischen Beispiele zeigen eindrücklich, wie wichtig die digitale Teilhabe ist, wie viel in dem Bereich noch gemacht werden muss und auch, dass es dafür Unterstützung und Angebote braucht.

 

Das Problem der “digitalen Kluft”
Auch der Altersbericht des BMFSFJ geht davon aus, dass ältere Menschen durch die fortschreitende Digitalisierung unseres Alltags nur profitieren können. So divers die Gruppe der älteren Menschen in unserer Gesellschaft auch ist, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten, die sich heute bieten.

Die Chance, diese auch zu nutzen, ist aber nicht bei allen gleich groß. Der Altersbericht nutzt den Begriff  “Digitale Kluft”, der beschreibt, dass es sowohl zwischen den verschiedenen Generationen als auch den unterschiedlichen Bildungsständen gravierende Unterschiede in der Nutzung digitaler Technologie gibt. Ab einem Alter von 70 Jahren nimmt die Teilhabe drastisch ab, und das insbesondere bei weniger gut ausgebildeten Senioren und Seniorinnen. Das ist schade, bietet die Technik doch vielfältige Möglichkeiten für ein länger selbstbestimmtes Leben.

 

Beispiele für ein digitales Leben von Senioren und älteren Menschen

In den oben genannten Lebensbereichen gibt es viele verschiedene Beispiele an technischen Hilfsmittel, die das Leben von Senioren vereinfachen können und die Möglichkeit bieten, einen autonomen Lebensstil aufrecht zu erhalten.

Im Bereich Wohnen beispielsweise gibt es inzwischen Böden, die mit Sensoren ausgestattet sind und Stürze registrieren. So kann Senioren, die gefallen sind und sich selbst nicht bemerkbar machen können, geholfen werden. Die Sensoren bemerken, wenn jemand an einer Stelle auf dem Boden zu Fall kommt und dort liegen bleibt und alarmieren automatisch den Notruf. Auch können die Böden registrieren, wenn Demenzpatienten und -patientinnen durch die Wohnung irren und den Anschein von Hilfebedürftigkeit machen. Im Küchenbereich gibt es intelligente Kühlschränke, die bei Bedarf automatisch Lebensmittel nachkaufen oder eine Einkaufsliste erstellen. Im Wohnzimmer sorgt eine Aufstehhilfe dafür, dem Senior vom Sofa zu helfen, und der Saugroboter hält die Wohnung sauber. 

Um die Mobilität zu erhalten, können ebenfalls verschiedene Hilfsmittel eingesetzt werden. Sogenannte Mobilitätsapps wie Carsharing-Apps, Taxidienste und Apps von den Anbietern vom öffentlichen Personennahverkehr vereinfachen die Planung vieler Wege erheblich. Sportliche Senioren können auf ein E-Bike steigen und so lange Radtouren unternehmen, ohne sich zu überanstrengen. Smarte Rollstühle fahren autonom, können Hindernissen ausweichen und geplanten Routen folgen. Exoskelette können dort die Bewegungsfreiheit erhalten, wo sie ohne diese Hilfsmittel längst verloren gegangen ist.

Dazu kommt noch das große Feld der digitalen Kommunikation. Digitale Technologien können inzwischen auf so viele verschiedene Arten das soziale Miteinander fördern. Beispielsweise die Videotelefonie ist inzwischen nicht mehr aus der täglichen Kommunikation wegzudenken.


Der Bereich der assistiven Technologien ist ein immer schneller wachsender Markt, und die Angebote werden immer vielfältiger. Umso wichtiger ist es deshalb, allen Gesellschaftsgruppen die Möglichkeit zur Teilhabe zu geben. Haben die Senioren die Möglichkeit, die neuen Technologien in einem sicheren Umfeld auszuprobieren, kann das ihr Leben im Alter erheblich verbessern, und das sollte das Ziel von uns allen sein.